Es gibt unzählige Beiträge im Internet zu dem Thema und ich gehe davon aus, dass jeder Fotoenthusiast sich schon mit der Frage beschäftigt hat, ob er als Format JPEG oder RAW verwenden soll. Die Argumente sind im Grunde immer die gleichen. Pro RAW; viele Möglichkeiten in der Nachbearbeitung. Contra; langsam und groß. Sehr verkürzt und sehr vereinfacht. Aber ich will ja auch nicht das 1000 mal geschriebene wiederkauen.

Ich will auf einen etwas anderen Aspekt aufmerksam machen. Früher habe ich JPEGs aufgenommen und mir gesagt „wenn das Bild gut ist, dann ist es gut“. Wenn nicht, dann lösche ich es. Wofür brauche ich RAW?

Es geht darum sich Optionen zu erhalten. Optionen dafür, dass sich meine Definition von „gut“ ändert und/oder sich die Möglichkeiten in der Bearbeitung erweitern (durch bessere Software oder durch mich). Wir wissen nicht was die Zukunft bringt. Aber eins ist sicher, mit RAW sind wir besser darauf vorbereitet als mit JPEG. Wer mit RAW arbeitet, der tut dies meist auch mit einem Programm wie Lightroom, welches die Dateien selbst nicht verändert. Natürlich verändert LR auch die Orginaldatei nicht, wenn sie als JPEG vorliegt. Weshalb der Artikel mindestens so sehr ein Plädoye für ein Nicht-veränderndes-Bearbeitungsprogramm (bzw. Workflow) wie für RAW ist – und auch dafür Bilder nicht zu löschen 🙂

Lightroom hat vor kurzem z.B. den überaus interessanten Dunst-entfernen-Effekt erhalten. Damit habe ich einigen Bildern, die ich eigentlich schon löschen wollte, zu einem durchaus gutem Aussehen verholfen. Wie praktisch, wenn alle vorherigen Versuche durch drehen an allen möglichen Reglern einfach zurückgesetzt werden können. In der nun erschienenen Version 6.6 hat LR neue Möglichkeiten geschaffen etwas gerade zu rücken. Genaueres z.B. hier. Das zeigt, dass LR ganz langsam immer mehr Möglichkeiten aus Photoshop erhält und es immer wieder neue Möglichkeiten in der Nachbearbeitung geben wird. Und diese wird man am ehesten und besten mit RAW nutzen können – und wenn man die Originaldatei noch hat.

So, wer jetzt weiter liest ist selber schuld 🙂

Eigentlich stimmt das da oben alles nicht – oder wenigstens nicht so ganz. RAW ist gar kein Format und erst recht kein Standard. Jeder Hersteller kocht da sein eigenens Süppchen. Und gerne auch mehrere davon. Eines der vielen Probleme einer sich schnell drehenden Welt. So richtig zukunftssicher ist man damit nicht. Ob man in 5 oder 10 Jahren noch Ünterstützung für „sein“ RAW-Format erhält?

Als Lösung bietet sich am ehesten zur Zeit Adobes DNG Format an. Ein Standard-RAW Format, welches auch von ein paar wenigen Kameras direkt produziert werden kann. Für die anderen kann LR beim Import direkt in das Format wandeln – eine von vielen Möglichkeiten.

Ich mach das trotzdem nicht und warte, was die Zukunft bringt. Wenn absehbar wird, dass meine RAWs nicht mehr unterstützt werden, dann kann ich immer noch wandeln. Muss der Rechner halt ein paar Nächte schuften 🙂

Setzt man den Gedanken konsequent fort, so kommen Fragen auf wie „was passiert mit meiner Sammlung, wenn es meine Sammelsoftware nicht mehr gibt?“ oder noch etwas weiter gedacht „wenn es mich nicht mehr gibt?“. Diese Fragen haben nicht nur eine überaus bedauerliche persönliche Note. Wie viele Vivian Maiers gibt es da draußen, deren Schätze im Datennirvana verschwinden werden? Es wird zig Exabyte an Kulturgütern, an Zeitdokumenten auf heimischen Festplatten geben. In tausenden von Stunden organisiert, mit Metadaten versehen und nachbearbeitet.

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