Die Kölner Stunksitzung ist die kabarettistische Alternative zur klassischen karnevalistischen Prunksitzung.

Auf der Kinderstunksitzung war ich das letzte mal vor ca. 10 Jahren. Auf der „Großen“ vor ca. 25 Jahren. Nach wenigen Jahren war die Stunksitzung in meinen Augen mindestens genauso professionell und etabliert wie die Sitzungen, zu denen sie eine Alternative sein wollte – was sie inhaltlich natürlich immer noch war. Aber es war einfach cool geworden dorthin zu gehen. Man musste einfach auf die Stunksitzung.

Für mich kippte die Stunksitzung damals. Es wurde nicht nur immer schwerer an Karten zu kommen. Auch das familäre Gefühl im Publikum liedt. Und ich würde auch behaupten, dass die Stunksitzung „zahmer“ wurde – nicht nur bei den Sitzungen mit TV-Aufzeichnung.

Es war halt wie so oft in Köln. Kleine, gute Veranstaltungen werden groß – und sind dann halt nicht nur nicht mehr klein. Mein Gott, was waren das z.B. geile Abende mit Richard Bargel in der MüTZe. Nun ja, bevor ich bei den Erinnerungen an „Talkin‘ Blues“ den Blues bekomme nun schnell zurück zur Stunksitzung 🙂

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Sehr überraschend und kurzfristig ergab sich die Möglichkeit die Generalprobe der Stunksitzung zu besuchen.

Die Generalprobe bringt einige Besonderheiten mit sich;

  • die Karten gibt es nicht im freien Handel
  • die Kartenpreise sind deutlich niedriger
  • die Eintrittsgelder werden zu 100% gespendet
  • es darf das eigene Picknick mitgebracht werden
  • es könnten sich noch Kleinigkeiten am Programm ändern
  • die Akteure verneigen sich am Ende der Vorstellung nicht

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Der lokale Bezug fehlt natürlich nicht. „Köln will nix, Köln kann nix, Köln kann nur Karneval.“. All das Versagen Kölns aufzulisten würde nun den Rahmen sprengen. Es seih nur die Oper, der Rheinboulevard, das Stadtarchiv und der Kalkberg erwähnt.

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Und wie seit eh und je ist Köbes Underground für die musikalische Untermalung, Begleitung und Beiträge zuständig. Einer dieser Beiträge, die Band mit Fernbedienung vor, zurück und sonstwie laufen zu lassen, ist vielleicht nicht besonders orginell, aber die Umsetzung ist allererste Sahne.

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Professor Grzimek fand sehr deutliche Worte zur „braunen Dumpfbacke“ und richtig klasse fanden wir den Nazi, der zu blöde war ein Hakenkreuz zu malen.

Der Diavortag zum armen Deutschland brachte auch viele Lacher. Etwas mainstreamig, aber halt sehr unterhaltsam. Und Biggi Wanninger sagte ja in Bezug zu den Terroreignissen „Lachen ist unsere Art, euch die Zähne zu zeigen!“

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Nicht nur die Stunksitzung ist in die Jahre gekommen. Ein großer Teil der Darsteller auch. Ebenso das Publikum. Biggi Wanninger ließ es sich nicht nehmen darauf hinzuweisen, dass bei einem Sterbealter von 50 – nicht ungewöhnlich in der dritten Welt – Saal und Bühne ziemlich leer wären.

Mal schauen, ob wieder 25 Jahre ins Land gehen bis zum nächsten Besuch. Dann vlt. mit einem dieser Rollatoren 🙂

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Es war schön mal wieder dagewesen zu sein. Es war sehr lustig und unterhaltsam. Nicht mehr so politisch und bissig wie damals, aber die Zeiten ändern sich halt. Was sich offensichtlich nicht geändert hat ist die Nachfrage; alle Veranstaltungen sind ausverkauft.

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