Die Frage, ob technischer Fortschritt gut oder böse ist, ist derart komplex, dass sie mich völlig überfordert. Zumindest in ihrer allgemeinen Form. Allgemein sehe ich das Problem, dass der Fortschritt in Ethik und Kultur nicht mit dem in Technik und Medizin mithält. Die Fortschritte in den letzt genannten Bereichen werfen laufend elementare Fragen auf, welche die Gesellschaft nicht zu beantworten weiß.

In dem Artikel „The State of Street Photography: How Has the Digital Era Changed a Classic Discipline?“ geht es um die Demokratisierung der Straßenfotografie, die durch die Digitalfotografie und das Internet hervorgerufen wurde.

Gerade dieses Genre erlebt in den letzten Jahren einen regelrechten Hype. Der Einstieg ist sehr niederschwellig. Es wird keine teure Ausrüstung benötigt. Eher im Gegenteil. Mit einer MarkX und L-Tube ist man irgendwie falsch unterwegs. Variable Stückkosten gibt es nicht und hochladen nach x, y oder z ist auch schnell gemacht. Keine Studiokosten, keine Modelkosten und wirklich gelernt haben muss man es auch nicht.

Jack Simon bemerkt, dass zwar viele Leute Street machen, aber Gallerien und Museen nicht Teil dieser Bewegung sind.

Melanie Einzig sagt zum eigentlichen Thema gar nichts – oder ich habe es überlesen!?

Richard Bram macht auf die negative Seite der Entwicklung aufmerksam. “It’s completely unfiltered. Good images are almost immediately buried beneath scads of ordinary ones.” Tja, irgendwie ist das ja immer das Problem beim Mainstream. Und dann natürlich die Frage, was sind gute, was sind schlechte Bilder? Auch bei bekannten oder gar berühmten Fotografen denke ich oft, dass ein Bild „ordinary“ ist. Manchmal werden diese Bilder auch gefeiert, weil sie eben so gewöhnlich sind – so wie das Leben.

Der Artikel ist lesenswert, vor allem ist es wieder mal spannend den Links zu folgen und sich in andere Welten führen zu lassen, aber die im Titel gestellte Frage beantwortet er meiner Meinung nach nicht im Ansatz. Schade. Aber er regt zum selber denken an. Gut so.

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